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Reisen & Entdeckungen

Moscatel, Garnatxa und die Kuchen meiner Großmutter in Llançà

Camí de Ronda zwischen Llançà und El Port de la Selva: gepflasterter Küstenweg mit Holzgeländer, blühende Böschung, Felsenküste und Berge im Hintergrund

Meine Großmutter Loli hatte eine ganz besondere Art, Nüsse zu essen.

Sie stellte einen Teller mit Mandeln, Haselnüssen, Walnüssen, Rosinen und allem, was sie sonst noch im Haus hatte, auf den Tisch. Dann holte sie ein kleines Gefäß mit Moscatel hervor, manchmal auch einen gläsernen Porró, diese typisch katalanische Weinkaraffe mit dem langen, schmalen Ausguss.

Dieses katalanische Dessert kennt man als Grana de capellà oder auch als Postres de músic.

Postres de músic von oben: Holzteller mit Walnüssen, Haselnüssen, Mandeln, Datteln und getrockneten Aprikosen, zwei kleine Gläser Moscatel und ein gläserner Porró
Foto: foodstyle.cat auf Instagram, zugeschnitten

Die Idee ist denkbar einfach: Nüsse, Trockenfrüchte und dazu ein kleines Glas süßer Wein.

Aber meine Großmutter hatte ihre eigene Methode.

Sie zeigte mir, wie man ein paar Nüsse und Rosinen in den Mund nimmt und langsam kaut, ohne sie gleich herunterzuschlucken. Dann sollte ich einen kleinen Schluck Moscatel dazu nehmen.

Die Mischung war unglaublich.

Die Konsistenz der Nüsse, ihr gerösteter Geschmack, die Süße des Weins und die Aromen, die sich dabei entwickelten, ergaben zusammen etwas völlig Neues.

Es war fast so, als würde man sich einen Kuchen direkt im Mund zubereiten.

Ich weiß nicht, ob man Grana de capellà traditionell auf diese Weise isst. Meine Großmutter hat es mir jedenfalls so beigebracht. Und deshalb ist es für mich bis heute die beste Art.

Wobei es in Lolis Küche noch ein anderes Dessert gab, das locker mithalten konnte.

Ihre Kuchen.

Die Brombeeren am Camí de Ronda

Meine Großeltern lebten in Llançà, einem kleinen Ort im Alt Empordà, ganz im Norden der Costa Brava.

Blick von einem Küstenweg bei Llançà: Kiefer und Zypresse vor der glitzernden Bucht, dahinter ein Küstenort und Berge
Foto: klimmanet / Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Mein Großvater war Deutscher, meine Großmutter Katalanin.

Sie hatten sich in Venezuela kennengelernt, wo auch ich aufgewachsen bin. Nach vielen Jahren auf der anderen Seite des Atlantiks ließen sie sich schließlich am Mittelmeer nieder.

Ich besuchte sie regelmäßig in den Ferien. Später, mit Anfang zwanzig, zog ich selbst von Venezuela nach Barcelona. So wurde Katalonien nach und nach zu einem festen Bestandteil meines Lebens.

Meine Großmutter hatte eine besondere Beziehung zu dieser Gegend. Sie hatte einen Teil ihrer Kindheit zwischen Llançà und Portbou verbracht und jahrzehntelang davon geträumt, dorthin zurückzukehren.

Als dieser Wunsch endlich in Erfüllung ging, nahm sie einige Gewohnheiten aus ihrer Kindheit wieder auf.

Eine davon war das Brombeerpflücken.

Ich begleitete sie auf den Wegen rund um Llançà, besonders in der Gegend von El Fané, wo sie wohnte, und auf einigen Abschnitten des Camí de Ronda, des alten Küstenwanderwegs der Costa Brava.

An diese Nachmittage erinnere ich mich noch sehr gut.

Auf der einen Seite lag das Meer, auf der anderen erhoben sich die Berge. Die schmalen Wege führten zwischen Pinien, Felsen und Sträuchern hindurch. An den Rändern wuchsen Brombeerhecken.

Sobald wir reife Beeren entdeckten, blieben wir stehen und fingen an zu sammeln.

Reife schwarze und noch rote Brombeeren an einem dornigen Zweig der Mittelmeer-Brombeere (Rubus ulmifolius)
Foto: Simonjoan / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, zugeschnitten

Man musste auf die Dornen aufpassen. Und der Versuchung widerstehen, die Brombeeren schon unterwegs aufzuessen.

Das gelang mir nicht immer.

Meine Großmutter kannte diese Wege gut. Als Kind war sie durch dieselbe Landschaft gestreift, damals, als die Kinder ihre Tage zwischen Meer und Bergen verbringen konnten und nur rechtzeitig zum Essen nach Hause kommen mussten.

Ich hörte ihr gerne zu, wenn sie von früher erzählte.

Von den Fischern, den Stränden, der Tramuntana und einem Katalonien, das viele Jahrzehnte zurücklag.

Und während sie erzählte, suchten wir weiter nach Brombeeren.

Anschließend gingen wir nach Hause, und sie backte einen Kuchen.

Die Kuchen von Loli: Brombeerkuchen und Mohnkuchen

Meine Großmutter konnte wunderbar kochen.

Wenn wir sie von Barcelona aus besuchten, erwartete uns oft ein Tisch voller Köstlichkeiten. Sie liebte große Familienessen, die mittags begannen und sich bis weit in den Nachmittag hineinziehen konnten.

Aber ihre Kuchen verdienten ein eigenes Kapitel.

Es waren flache Obstkuchen mit einem köstlichen Mürbeteigboden, fast wie große Tartes. Der Teig hatte genau die richtige Konsistenz und passte wunderbar zur Füllung.

Stück Beerentarte mit dunkler Fruchtschicht auf einem blauen Keramikteller, daneben Himbeeren und eine Brombeere
Foto: Medine Dilek Kizmaz / Pexels, zugeschnitten

Manchmal verwendete sie die Brombeeren, die wir selbst gesammelt hatten.

Und manchmal backte sie etwas völlig anderes: Mohnkuchen.

Dafür brauchte sie Mohn, den man damals in der Gegend nicht so leicht bekam.

Also machten wir manchmal einen kleinen Ausflug mit meinem Großvater.

Und auch diese Fahrten gehörten zu meinen schönsten Erinnerungen.

Ein Stück Deutschland zwischen Roses und Empuriabrava

Wir fuhren in die Gegend zwischen Santa Margarida und Empuriabrava, nicht weit von Roses. Dort gab es schon damals viele deutsche Bewohner und Urlauber und entsprechend auch Geschäfte mit deutschen Produkten.

Mein Großvater Helmut liebte diese Ausflüge.

Er ging in deutsche Bäckereien, schaute sich in Metzgereien um und blieb vor den Auslagen der Feinkostgeschäfte stehen.

Dort fand er Dinge, die er seit seiner Kindheit kannte und die in den gewöhnlichen Geschäften der Umgebung nicht immer erhältlich waren.

Deutsches Brot, Wurstwaren und andere Spezialitäten aus seiner Heimat.

Laibe dunkles Roggenbrot, zwei davon angeschnitten, auf einem Holzbrett
Foto: Burak Baban / Pexels

Und natürlich Mohn für die Kuchen meiner Großmutter.

Ich begleitete ihn gerne.

Mein Großvater war eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Ein Deutscher, der jahrzehntelang in Venezuela gelebt hatte und mit einem ganz eigenen Akzent sprach, einer Mischung aus seiner Herkunft und all den Orten, an denen er sein Leben verbracht hatte.

Er hatte Geschichten für mehrere Bücher auf Lager.

Er erzählte gerne von seiner Kindheit in Deutschland, von seinen Reisen und den vielen Abenteuern, die er erlebt hatte.

Ich hörte ihm fasziniert zu.

Diese Ausflüge waren für mich auch eine Möglichkeit, Deutschland ein bisschen näherzukommen. Ein Land, das ich während meiner Kindheit in Venezuela vor allem durch die Erzählungen meines Großvaters kannte.

Danach fuhren wir mit unseren Einkäufen zurück nach Llançà.

Meine Großmutter backte ihren Mohnkuchen. Und wenn es Zeit für den Nachtisch war, stellte sie ihn auf den Tisch.

Stück Mohnkuchen mit Streuseln und Zuckerguss auf einem gesprenkelten Keramikteller, davor eine goldene Gabel
Foto: Veronika Benz / Pexels, zugeschnitten

Seinen Geschmack habe ich bis heute nicht vergessen.

Er war ganz anders als der Brombeerkuchen. Aber beide hatten etwas gemeinsam: Meine Großmutter hatte sie gebacken, und sie schmeckten nach Ferien bei meinen Großeltern.

Ein kleines Glas Garnatxa zum Nachtisch

Zu ihren Kuchen servierte meine Großmutter gerne kleine Gläser süßen Garnatxa-Wein.

Zwei Stielgläser mit dunklem Rotwein auf einem Holztisch, daneben Trauben, Granatapfelkerne und eine Schale mit Nüssen
Foto: Julia Volk / Pexels

Die Garnatxa de l’Empordà, ein Dessertwein aus Garnacha-Trauben, gehört zu den traditionellen Weinen dieser katalanischen Region.

Man sollte sie nicht mit Moscatel verwechseln, auch wenn beide süße Weine sind, die gerne zum Dessert getrunken werden.

Garnatxa aus dem Empordà schmeckt intensiv und warm, mit Aromen, die an reife Früchte erinnern. Ein Wein, den man langsam und in kleinen Mengen trinkt, während die Unterhaltung am Tisch weitergeht.

Meine Großmutter mochte ihn besonders gerne.

In Llançà konnte man Wein in Geschäften kaufen, die ihn lose verkauften, zum Beispiel bei Maria Poza. Man brachte einen Behälter mit, und der Wein wurde direkt aus einem großen Fass oder Tank abgefüllt.

Diese Art, Wein einzukaufen, fand ich als Kind faszinierend.

Auch heute gibt es im Empordà noch Orte, an denen diese Tradition weiterlebt.

Ich denke dabei besonders an Empordàlia, eine Winzergenossenschaft in Pau, gleich neben Vilajuïga, an der Straße Richtung Roses. Dort findet man verschiedene Weine aus der Region.

Mir gefällt diese unmittelbare Beziehung zum Produkt: Man fährt los, holt den Wein und bringt ihn nach Hause, um ihn später bei einem guten Essen mit anderen zu teilen.

Aber was ich am stärksten in Erinnerung behalten habe, ist nicht der Wein selbst.

Sondern das, was geschah, wenn er auf den Tisch kam.

Die Geschichten nach dem Nachtisch

Bei meinen Großeltern bedeutete der Nachtisch keineswegs, dass das Essen langsam zu Ende ging.

Eher im Gegenteil.

Meine Großmutter brachte den Kuchen, schenkte kleine Gläser Garnatxa ein, und alle blieben sitzen.

Dann begannen die Geschichten.

Helmut erzählte von Deutschland, seiner Kindheit und den Erlebnissen eines Lebens, das manchmal viel zu lang und zu abenteuerlich schien für einen einzigen Menschen.

Loli erinnerte sich an ihre Kindheit in Katalonien.

Sie sprach von Llançà, von Portbou, von den kalten Wintern, den Fischern und den alten Gewohnheiten im Dorf. Für die kleinen Einzelheiten hatte sie ein erstaunliches Gedächtnis.

Manchmal führte eine Geschichte zur nächsten, und wir saßen stundenlang am Tisch.

Ich war in Venezuela aufgewachsen, auf der anderen Seite des Ozeans, und hörte diesen Erzählungen mit der Faszination eines Kindes zu, das die Vergangenheit seiner Familie entdeckt.

Mein Großvater nahm mich mit seinen Worten nach Deutschland mit.

Meine Großmutter erzählte mir, wie das Leben an denselben Stränden und in denselben Bergen ausgesehen hatte, durch die wir gemeinsam wanderten, als sie noch ein kleines Mädchen gewesen war.

Und ich reiste von einer Zeit in die andere, ohne meinen Platz am Tisch zu verlassen.

Ich weiß nicht mehr, wie viele dieser Nachmittage mit Brombeerkuchen und einem Gläschen Garnatxa endeten, wie viele mit Mohnkuchen und einem Gläschen Garnatxa und wie viele mit einem Teller Nüsse und einem Glas Moscatel.

Aber ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, dort zu sitzen und ihnen zuzuhören.

Der Geschmack der Dinge, die bleiben

Im Laufe der Jahre habe ich viele Kuchen probiert, darunter einige wirklich außergewöhnliche.

Ich habe auch gute Süßweine getrunken und Grana de capellà in Restaurants gegessen, die dieses traditionelle katalanische Dessert anbieten.

Aber keine dieser Erfahrungen konnte die Nachmittage in Llançà ersetzen.

Vielleicht, weil der Geschmack jener Kuchen nicht nur vom Rezept abhing.

Da waren auch die Spaziergänge zwischen den Brombeerhecken, die Ausflüge mit meinem Großvater in die deutschen Geschäfte bei Empuriabrava, die großen Familienessen und die Geschichten, die niemals enden wollten.

Alles gehörte zu demselben Ritual.

Meine Großmutter sammelte Brombeeren in derselben Landschaft, in der sie schon als Kind gespielt hatte.

Mein Großvater fand in den Geschäften der Costa Brava ein kleines Stück Deutschland wieder.

Und ich, der aus Venezuela gekommen war, lernte nach und nach die beiden europäischen Welten kennen, aus denen meine Familie stammte.

Wenn ich heute an diese Nachmittage denke, wird mir klar, dass ich damals nicht nur gelernt habe, ein gutes Dessert zu genießen.

Ich habe meine Großeltern kennengelernt.

Und alles begann mit etwas so Einfachem wie einer Handvoll Brombeeren, einem frisch gebackenen Kuchen oder ein paar Haselnüssen mit einem kleinen Glas Moscatel.

Ein katalanisches Dessert für zu Hause: Grana de capellà

  • Auf den Teller: Mandeln, Haselnüsse, Walnüsse und Rosinen, dazu, was sonst noch im Haus ist.
  • Ins Glas: ein kleiner Schluck süßer Moscatel.
  • Die Methode meiner Großmutter: ein paar Nüsse und Rosinen langsam kauen, dann einen Schluck Moscatel dazu nehmen.

Die Orte aus dieser Geschichte

Öffnungszeiten ändern sich: vorher nachsehen.

Wein aus derselben Gegend finden Sie bei uns mit dem Finca Olivardots Vermell, einem trockenen Rotwein der D.O. Empordà.

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Titelbild: Jorge Franganillo / Wikimedia Commons, CC BY 2.0, zugeschnitten. Weitere Fotos: Angaben unter den Bildern.

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