Ein Herrenhaus im Salnés, seit 1989 Weingut
Pazo Señorans ist ein Landsitz aus dem 16. Jahrhundert in Meis, wenige Kilometer vom Atlantik entfernt. Marisol Bueno und Javier Mareque haben hier gezeigt, wie viel Zeit ein Albariño verträgt.
Das Haus. Pazo Señorans gehört zu den galicischen Landsitzen, die man Pazos nennt: steinerne Herrenhäuser, die der Adel im 16. Jahrhundert auf dem Land errichten ließ. Woher der Name stammt, weiß niemand genau; die Familie selbst schreibt, es sei offen, ob der Ort dem Haus den Namen gab oder umgekehrt. Der Überlieferung nach versteckte sich 1910 Manuel II., der letzte König Portugals, hinter diesen Mauern, als in seinem Land die Republik ausgerufen wurde. Heute stehen Keller und Brennerei in einem Gebäude aus dem 19. Jahrhundert auf dem Gelände.
Die Familie. 1979 kauften die Biologin Marisol Bueno, geboren in Zaragoza, und ihr Mann Javier Mareque das Anwesen, auf dem damals Kiwis und alte Albariño-Reben standen. Der erste eigene Jahrgang kam 1989 auf den Markt; die Zahl ist bis heute in das Glas der Flasche geprägt. Marisol Bueno leitete von 1986 bis 2007 als Präsidentin die D.O. Rías Baixas und wurde 2017 als erste Frau mit dem FEVINO-Preis für Exzellenz ausgezeichnet. Inzwischen führen auch die vier Kinder, Marisol, Vicky, Javier und Santiago, das Haus mit.
Die Weinberge. Alle Lagen liegen in einem Umkreis von etwa zehn Kilometern, nah am Meer und meist unter 300 Metern Höhe. Der Boden heißt hier Xabre: verwitterter Granit, sandig, sauer und mager, der Regen schnell abfließen lässt. Die Reben wachsen nach galicischer Art an hohen Pergolen, der Parra. Gelesen wird von Hand, meist in der zweiten Septemberhälfte, in kleine Kisten, die sofort in den Keller kommen.
Die Selección de Añada. Der Wein entstand 1995 aus der Überzeugung, dass Albariño mehr kann als jung getrunken zu werden. Der amerikanische Importeur erzählt, ein Tank sei eines Jahres im Keller vergessen worden und habe gezeigt, wie sich der Wein auf der Hefe entwickelt. Die Trauben stammen aus einer einzigen Lage hinter dem Pazo, Los Bancales, mit über 45 Jahre alten Reben auf rund 70 bis 80 Metern. Es entstehen etwa 16.000 Flaschen.
Im Keller. Kein Holz, kein biologischer Säureabbau: Der Most gärt bei 16 °C im Edelstahl und bleibt danach mehr als 30 Monate auf der Feinhefe, bevor er in die Flasche kommt und dort weiter reift. So bleibt die Säure des Albariño erhalten, während die Zeit dem Wein Tiefe gibt.